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Das Bestellerprinzip ist da- und seine ersten Auswirkungen

Seit dem 01.06.2015 gilt es. Das Bestellerprinzip, welches Provisionen bei Vermietungen von Wohnraum neu regeln soll. Bald 2 Jahre haben wir auf diesen Moment gewartet. Unzählige Gespräche mit Kollegen, Mietern, Vermietern und Politikern haben wir geführt. Auf rechtliche Probleme haben wir hingewiesen, aber vorallem auf die furchtbar schlechte Umsetzbarkeit in der Praxis.

Medial wurde natürlich wie immer Stimmung gegen Vermieter und Makler gemacht, ohne dabei wirklich auf die Auswirkungen dieses Gesetzes einzugehen.

Einer der absoluten Hauptprobleme in unseren Augen ist vorallem, dass das Gesetz keineswegs sozial schwächeren Mietern hilft. Im Gegenteil. Die Befürchtungen waren und sind, dass Menschen aus gewissen sozialen Schichten ab jetzt noch viel größere Probleme bei der Wohnungssuche haben werden.

Denn Fakt ist, dass keine neuen Wohnungen gebaut wurden. Das Angebot ist also nach wie vor gleich (gering). Die Anfrage jedoch ungebrochen groß, wenn nicht sogar seit dem 01.06. noch deutlich größer, da viele Mieter nun hoffen ohne Maklerprovision mieten zu können. Ergo steigt die Konkurrenz unter den Mietern, die sich für eine Wohnung interessieren. Sozial schwächere Mieter, denen wir beispielsweise in der Vergangenheit immer wieder zu Wohnungen verhelfen konnten, werde hierbei vollkommen auf der Strecke bleiben.

Die erste 3 Tage des Junis haben darüber hinaus bereits interessante erste Auswirkungen gezeigt:

1.) Das Angebot an Mietwohnungen deutschlandweit ist auf Immobilienscout24 in den letzten 4 Wochen von ca. 125.000 auf 103.000 Wohnungen abgestürzt!

2.) Die durchschnittlichen Mieten in Stuttgart Innenstadt sind seit dem 01.06. im Vergleich zum 01.05.2015 um ca. 20% gestiegen!

3.) Deutlich mehr Wohnungen als früher werden möbliert vermietet, was das Angebot an „normalen“ Mietwohnungen weiter verkleinert. Hier kann neben der Kaltmiete noch eine Nutzungsgebühr für die Möbel verlangt werden.

4.) Teilweise werden Wohnungen von den aktuellen Mietern angeboten. Allerdings nur in Verbindung mit unverschämt hohen Ablösesummen für gebrauchte Möbel oder Einbauküchen. Da freut sich der Nachmieter sicherlich sehr, dass er sich die Provision spart, aber dafür für die 20 Jahre alte Küche noch 5.000 Euro bezahlen soll.

5.) Eine riesige Anzahl von neuen Internet Portalen sprießt geradezu aus dem digitalen Boden. Jeder versucht sich gegenseitig mit neuen Matching Tools, Tricks und unseriösen Geschäftsgebahren zu übertreffen. Oftmals sind die letztendlich anfallenden Gebühren mindestens so hoch, wie wenn der Vermieter einen ortskundigen und bewährten Fachmann mit der Vermietung beauftragt. Darüber hinaus wird teilweise offen zur Steuerhinterziehung aufgerufen, bspw. wenn aktuelle Mieter selber nach Nachmietern suchen sollen und dafür eine versteckte Provision kassieren.
Klar ist, dass keines dieser Portale auch nur annähernd genügend Bekanntheit und vorallem Angebote besitzt um als ernsthafte Alternative wahr genommen zu werden.

Wir werden die Entwicklungen weiter beobachten. Aber eines scheint bereits jetzt klar: Besser ist die Situation für Mieter bislang sicher nicht geworden.


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