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Was passiert, wenn der Staat die Mieten deckelt….

Vor 3 Wochen war ich mal wieder in einer meiner europäischen Lieblingsstädte: Lissabon!

Eine herrliche Stadt mit viel Flair, schönen Halbhöhenlage (fast so schön wie Stuttgart :-)), tollen Restaurants und jeder Menge Geschichte und Kultur.
Gehe ich durch die Altstadt von Lissabon, fällt mir vor allem eines auf: Es gibt ohne Ende Leerstand. Zum Teil halb verfallen, in vielen Fällen in sanierungsbedürftigem Zustand, aber immerhin leer.

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Als Immobilienmakler bleibe ich natürlich gerne auch vor den Fenstern der ansässigen Immobilienbüros stehen und erstarre ob der angezeigten Mietpreise. Das ist ja noch teurer als München! Wie kann das sein?
Ein Blick in die Geschichte Portugals führt uns zur traurigen Antwort:
Um die Lebenshaltungskosten der Portugiesen zu begrenzen, verfügte der Diktator Salazar 1947 einen Mietpreis-Stopp für die Großstädte Lissabon und Porto . Dieser Mietpreis-Stopp blieb mehr als 40 Jahre lang in Kraft. Während dieser Zeit sanken die realen Mieten auf Grund der hohen Inflation enorm. Für manche Altbau-Wohnungen mussten Ende der achtziger Jahre zum Teil weniger als umgerechnet fünf Euro im Monat (!) bezahlt werden. Viele Mieter bezahlten mehr für Wasser und Strom als für ihre Miete. Auch nach dem Ende des Mietpreis-Stopps änderte sich daran erst einmal nichts: Bis 2006 blieben die Mieterhöhungen auf den Inflationsausgleich begrenzt.

Zahlreiche Hauseigentümer ließen ihre Altstadtwohnungen verfallen: Es fehlte ihnen schlichtweg das Geld, um die Gebäude zu renovieren. Viele Vermieter warteten außerdem ab, bis die letzten Mieter starben, um das Haus abzureißen oder in Bürogebäude umwandeln zu lassen. Und wenn doch einmal neuer Wohnraum geschaffen wurde, blieb bestenfalls die Fassade des alten Hauses erhalten, während innen alles eingerissen und saniert wurde. Dies ist tatsächlich auch oft notwendig, da zahlreiche Altbauten wegen undichter Dächer und nie vorgenommener Renovierungsarbeiten in einem katastrophalen Zustand sind – und mitunter sogar die sanitäre Grundausstattung mit Dusche und WC fehlt.

Allein im Stadtzentrum Lissabons sollen Schätzungen zufolge 30.000 Wohnungen leer stehen. Jährlich stürzten Ende der neunziger Jahre davon etwa 20 Häuser ein, so schlecht war ihr Zustand. Da die Fenster und Türen der leer stehenden Gebäude inzwischen meist zugemauert werden, kommt es nicht mehr so oft zum Kollaps ganzer Häuser. Ein schöner Anblick sind diese Altbauten allerdings nicht. Es sind übrigens nicht nur Wohnungen in Privatbesitz verfallen, auch die Stadt Lissabon hat in den letzten Jahren zu wenig Geld investiert, um ihre eigenen Objekte zu sanieren.

Mittlerweile kaufen nun viele ausländische Investoren die alten Häuser, sanieren sie für sündhaft teures Geld und müssen entsprechende hohe Miete verlangen, um den hohen Invest zu rechtfertigen.

Für viele von der Wirtschaftskrise gebeutelten Portugiesen sind die nun wieder bewohnbaren Häuser in Lissabon nicht mehr bezahlbar. Sie ziehen in die Vorstädte. Das würde erklären, weshalb sehr viele Alte, aber nur verhältnismäßig wenig junge Familien im Stadtbild sichtbar sind. Lissabon hat die höchste Prozentzahl der über 65-jährigen in ganz Europa.

Leider ein weiterer Beweis, warum eine Deckelung von Miete zwanghaft durch den Staat herbei geführt am Ende nur Verlierer bringt.

In diesem Sinne: Freuen wir uns dass es bei uns im europäischen Vergleich doch noch recht gut funktioniert. Mit sonnigen Grüßen,

Ihr Michael Maile


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